Historie

Von der Gründung bis zum 2. Weltkrieg

Unermessliche Zerstörungen materieller und ideeler Werte sind die Bilanz der "Himmleskraft" Feuer im Laufe der Jahrhunderte. Es ist verwunderlicher, dass der Mensch relativ spät auf den Gedanken einer organisierten Bekämpfung des seiner "Bezähmung und Bewachung" entlaufenen Feuers kam. Mitte und Ende des 19.Jahrhunderts fanden sich vielerorts beherzte Männer, die getragen von Idealismus und Gemeinsinn "Freiwillige Feuerwehren" gründeten. In unserer Gemeinde legten im August 1890 solche uneigennützige Männer den Grundstein für eine Vereinigung, die "Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr" zu dienen bereit waren. Über ihre Vereinsstatuten, die am 1. September 1890 in das Vereinsregister des Großherzoglichen Bezirksamtes eingetragen wurden, setzten sie die Worte:

"Von dem Gedanken durchdrungen, dass gegenseitige Hilfe in Not und Gefahr, besonders bei Brandfällen eine heilige Bürgerpflicht ist, hat sich dahier im Jahre 1890 am 1. September ein Verein von gleichgesinnten Männern gebildet, welche sich die Rettung desvom Feuer bedrohten Lebens  und Eigentums ihrer Mitmenschen zur Aufgabe stellten:

Freiwillige Feuerwehr Au am Rhein.

Dieser schöne Entschluss möge nie erkalten und die spätesten Nachkommen zu regem Eifer entflammen."

Sauber und gewissenhaft geführte Protokoll- und Beschlussbücher, vom Tag der Gründung bis heute lückenlos geführt, bieten dem Chronisten eine Fülle des Stoffes, die eine Auswahl schwierig macht. Von der Gründung bis zum Ausbruch des zweiten Weltkrieges war die Wehr in 15 Brandfällen, davon 3 auswärts, eingesetzt. Proben und Pflege der Kameradschaft waren Dank der vorbildlichen Führung durch die jeweiligen Wehrführer und Dank der guten Mitarbeit und Bereitschaft der Mitglieder immer oberstes Gebot.

An Besonderheiten müssen angeführt werden:
1890

Gründung und Beschaffung der ersten Handdruckspritze

1891 Überlandhilfe bei einem Brandfall in Mörsch
1892

Beschaffung einer weiteren und besseren Handdruckspritze

(dieselbe ist heute noch vorhanden)

1893

erster Einsatz der Wehr im Heimatort (2.7 bei L. Bauer)

1899

Beschaffung einer Vereinsfahne

Weihe derselben, verbunden mit einem großen Fest

1914 - 1918

1. Weltkrieg

Dezimierung des Vereins von ca. 100 Wehrmännern auf 43

1921

als Ersatz für das in den Krieg gefallene 25-jährige Jubiläum,

Feier des 30-jährigen Stiftungsfestes.

1930

Feier des 40-jährigen Jubiläums, bei dem 34 Wehrmänner für 40 Jahre

Aktivität geehrt wurden.

1938

Beschaffung einer Motorspritze.

Der 2. Weltkrieg

Der 2. Weltkrieg stellte an die Wehr besonders große Anforderungen. Durch die zunehmenden Einberufungen war das Mannschaftsgefüge bald bis auf einige Mann zusammengeschmolzen. Um die Einsatzfähigkeit der Wehr aufrecht zu erhalten, mussten einige jüngere Männer, die nicht zum Kriegsdienst eingezogen waren, dienstverpflichtet werden. Am 6.12.1942 war ein durch Brandbomben verursachter kleinerer Waldbrand zu bekämpfen. Wer aber die Nacht vom 18. auf 19. März 1944 miterlebt hat, kann sich das Grauen nicht erwehren. Unser Heimatort wäre zu Schutt und Asche niedergebrannt, wenn nicht die tapferen Männer der Feuerwehr zusammen mit ihren aus den Nachbarorten eingetroffenen Kameraden des Feuers Herr geworden  wären. Durch Notabwurf eines getroffenen alliierten Bombers waren über 30 Brände ausgebrochen, wovon der Großteil von den Hausbesitzern und ihren Nachbarn im Keime erstickt werden konnten. An acht Stellen entwickelten sich aber Großbrände, die einen Einsatz von über 24 Stunden erforderten. Es waren dies die Anwesen von:

 

Peter Weisenburger

Salomon Lumpp

Gustav Schlager

Severin Wessbecher II

Rudolf Weßbecher

Friedrich Kraus

Albert Hettel

Hermann Bauer Wtw.

 

In dieser schrecklichen Nacht  standen der Auer Feuerwehr als Überlandhilfe die Wehren aus Würmersheim, Durmersheim, Bietigheim, Steinmauern, Rastatt, Neuburgweier sowie die Werkswehr  der Fa. Möbelwerke Moser aus Durmersheim zur Seite.

 

Im September 1944 fuhr eine Löschgruppe zweimal zur Überlandhilfe nach Gaggenau. In den letzten Kriegstagen des Jahres 1945 musste noch zweimal in Au eingriffen werden.

Nachkriegszeit bis 1950

Nach dem Krieg durfte laut Besatzungstatut der Mannschaftsstand der Feuerwehr  27 Mann nicht überschreiten. Durch diese Anordnung wurde der Aufbau der durch den Krieg stark in Mitleidenschaft gezogenen Wehr in Frage gestellt, ja fast völlig lahmgelegt. Geräte und Ausrüstungsgegenstände die durch die Kriegs- und Nachkriegsereignisse verloren bzw. abhanden abhanden gekommen waren, konnten nur teilweise oder überhaupt nicht mehr beschafft werden. Rätselhaft war das Verschwinden der traditionsreichen Feuerwehrfahne in den Tagen nach dem Zusammenbruch, was bis heute noch keine Aufklärung gefunden hat.

 

Erst das Feuerwehrgesetz vom 25.9.1949 ermöglichte einen unumschränkten Wiederaufbau der Wehr. Wehrführer Anton Merz setzte nun seine ganze Kraft darein, die Wehr so schnell wie möglich wieder schlagkräftig zu machen. Es gelang ihm dies, weil sich bald junge Männer für die edle Sache gewinnen ließen und weil sich die aus dem Krieg heimgekehrten Wehrmänner auch wieder bereitwilligst zur Verfügung stellten.

Und so konnte schon 1950 das 60-jährige Stiftungsfest in großem Rahmen gefeiert werden, wobei als Höhepunkt acht lebende Gründer geehrt werden konnten.

 

 

Wie es in der Historie der Feuerwehr Au am Rhein weiter geht, finden Sie in den einzelnen Rubriken.